Aktuelles zur Ernährung und Nahrungsergänzung in der Schwangerschaft

Liebe Leserinnen und Leser,
heute möchte ich Ihnen einen Gastbeitrag von Frau Prof. Dr. Ingrid Gerhard ans Herz legen. Sie hat das Netzwerk Frauengesundheit ins Leben gerufen.

Sie informiert über Ernährung und Nahrungsergänzung in der Schwangerschaft. Viel Spaß wünscht Ingo Hermann

Sicher ist Ihnen längst bekannt, dass Sie in der Schwangerschaft nicht „für 2 essen“ müssen. Der Energiebedarf steigt nämlich nur um etwa 10%. Aber der Bedarf an verschiedenen Vitaminen und Mineralstoffen kann um mehr als 50% ansteigen. Das heißt, dass Sie sich noch sorgfältiger als vor der Schwangerschaft darum kümmern müssen, dass Sie sich und Ihr Baby mit genügenden Mengen an Vitalstoffen versorgen.

1. Schritt: die vollwertige Ernährung

(a) Pflanzenkost: an erster Stelle steht die pflanzenreiche Kost, denn Gemüse, Kräuter, Salat und Obst enthalten relativ wenige Kalorien, aber viele Vitamine und Mineralstoffe. Bioprodukte sollten bevorzugt werden. Auch wenn Ihnen immer wieder gesagt wird, dass bio genauso gut wie herkömmliche Ware, nur teurer, sei, können Sie davon ausgehen, dass zertifizierte Bioprodukte zu 90% weniger mit Pestiziden belastet sind, mit denen Sie dann nicht unnötigerweise Ihr ungeborenes Baby füttern. Denn die meisten Giftstoffe gehen über den Mutterkuchen auf Ihr Baby über. Kaufen Sie abwechslungsreich ein, am besten aus lokalem Anbau.

(b) Reduzieren Sie Fleisch und Wurstwaren. Ein Überangebot an tierischen Eiweißen und Fetten programmiert möglicherweise den kindlichen Stoffwechsel so ungünstig, dass Ihr Kind ein erhöhtes Risiko hat, als Erwachsener an Übergewicht und Herz-Kreislauf Erkrankungen zu leiden. Außerdem ist das normale Fleisch mit Antibiotika und Hormonen belastet. Achten Sie deshalb mehr auf Qualität als auf Quantität.

(c) Auch zu viele Milchprodukte sind ungünstig, da sie zur Übersäuerung Ihres Stoffwechsels führen. Ein bis zwei probiotische Joghurts am Tag verbessern jedoch Ihre Darmflora und können dadurch bei der Geburt auch Ihr Baby vor feindlichen Bakterien schützen.

(d) Einfache Kohlenhydrate aus Industriezuckern und –mehlen führen zu einer vermehrten Ausschüttung von Insulin. Der Blutzucker fällt zu rasch ab, und Sie haben sofort wieder Hunger. Gerade in der Schwangerschaft kann es passieren, dass Ihre Bauchspeicheldrüse nicht genug Insulin produzieren kann, so dass Sie einen Schwangerschaftsdiabetes mit ungünstigen Folgen für Ihr Baby bekommen. Mit Vollkornprodukten tun Sie sich und Ihrem Baby nicht nur für den Augenblick, sondern auch für später, quasi lebenslang, etwas Gutes.

(e) Viele einfache und gesunde Rezepte hat Ihnen meine Kollegin, Frau Dr. Susanne Bihlmaier in ihrem Buch „Tomatenrot und Drachengrün“ zusammengestellt.Diese Rezepte haben die Besonderheit, dass immer erklärt wird, wie sich die einzelnen Nahrungsmittel nach den Regeln der Traditionellen Chinesischen Medizin auf Ihren Körper auswirken, so dass eine ganz individuelle Ernährung möglich wird.

gesunde_ernährung_schwangerschaft

2. Schritt: Nahrungsergänzungen:

Nahrungsergänzungen sind in der Regel umso weniger erforderlich, je bewusster Sie sich ernähren. Trotzdem gibt es Versorgungsdefizite, bspw. weil die mütterlichen Vitaminspeicher nicht voll genug sind oder weil es sich um Inhaltsstoffe handelt, die häufig durch die Zubereitung zerstört werden. In welchen Lebensmitteln Sie besonders hohe Konzentrationen bestimmter Vitamine oder Mineralstoffe finden, können Sie hier nachlesen.

(a) Die wichtigsten B-Vitamine: Folsäure, Vitamin B12 und Cholin: alle B-Vitamine sind für die Entwicklung des kindlichen Nervengewebes von Bedeutung. Außerdem sind sie Cofaktoren für viele Stoffwechselvorgänge, die dauerhaft die kindliche Entwicklung steuern.

Wie wichtig Folsäure dafür ist, dass Ihr Baby nicht an einem offenen Rücken erkrankt, wissen inzwischen schon die meisten. Aber leider wird oft vergessen, dass Sie bereits bei Kinderwunsch Folsäure einnehmen sollten, denn das Schicksal bzgl. Fehlgeburt und Missbildungen entscheidet sich schon in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten. Sollten Sie die Pille zur Verhütung einnehmen, ist es besonders wichtig, die B-Vitamine früh genug zu ergänzen, da die Pille ein Vitaminräuber ist. Mindestens 4 Wochen vor einer erwünschten Schwangerschaft täglich 400 µg Folsäure oder ein Kombinationspräparat einnehmen, natürlich nach Absprache mit Ihrer Frauenärztin.

Vitamin B12 ist bei vielen Frauen zu niedrig, die sich vegetarisch oder sogar vegan ernähren, denn Fleisch ist der größte B12-Lieferant. Auch übergewichtige Frauen und Frauen mit erhöhten Homocysteinspiegeln haben häufig einen B12-Mangel. Es empfiehlt sich Methylcobalamin als Tropfen einzunehmen, die bereits über die Mundschleimhaut aufgenommen werden.

Cholin (oder Vitamin B4) kann offenbar zusätzlich zur Folsäure das Risiko eines Neuralrohrdefektes noch weiter reduzieren. Cholin ist ein Baustein für Membranen und für Botenstoffe im Gehirn, die u.a. auch die spätere Stressempfindlichkeit, Lern- und Gedächtnisleistungen der Kinder beeinflussen. Da nur 10% der Bevölkerung die geforderten 450 mg/Tag isst, macht die ergänzende Einnahme von Cholin in der Schwangerschaft und während des Stillens Sinn.

(b) Vitamin D

Vitamin D ist wichtig für das Immunsystem und die Knochen. Wie wir inzwischen gelernt haben, reicht offenbar die Zeit, die wir heute in der Sonne verbringen, nicht aus, um unsere Vitamin D-Speicher zu füllen. Und nur durch die Ernährung geht es leider auch nicht. Deshalb sollte durch eine Blutuntersuchung vor oder zu Beginn der Schwangerschaft festgestellt werden, wie viel Vitamin D Sie zusätzlich benötigen.

(c) Fettsäuren

Es gibt spezielle Fettsäuren, die wichtig für die Augen- und Gehirnentwicklung, sowie das Immunsystem Ihres Babys sind. Allerdings ist heute noch nicht ausreichend geklärt, ob Sie diese tatsächlich isoliert zusätzlich zur Ernährung einnehmen sollten oder ob Sie mit den richtigen Pflanzenölen nicht genauso gut bedient sind. Das DHA kommt in hohen Konzentrationen in fettem Fisch vor, aber dann müssten sie mehr als viermal in der Woche solchen Fisch essen, um genügend versorgt zu sein. Außerdem ist Fisch mit Schwermetallen und anderen Umweltgiften belastet, in Aquakulturen zusätzlich mit Antibiotika, so dass ich eher davon abraten würde. Statt Fischölkapseln würde ich Algen-Supplemente empfehlen, die weniger belastet sind. Oder für die Vegetarier unter Ihnen Perillaöl.

(d) Mineralstoffe: Jod, Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen

In den letzten Jahrzehnten ist der Mineralstoffgehalt in unserem Gemüse und Obst um durchschnittlich 50% zurückgegangen. Nur durch eine sehr bewusste Ernährung mit mindestens 5 Portionen Obst, Salat und Gemüse, sowie Kräutern, Nüssen und Samen kann eine Schwangere ihren erhöhten Bedarf decken.

Allgemein wird die zusätzliche Einnahme von 100-150 µg Jodid am Tag in der Schwangerschaft empfohlen. Da junge Frauen jedoch zunehmend an Schilddrüsenstörungen leiden, sollte der Arzt entscheiden, ob und wie viel Jod für Sie richtig ist.

Eisen ist wichtig für die Blutbildung und den Sauerstofftransport im Blut. Viele Schwangere fühlen sich am Anfang der Schwangerschaft schlapp und müde und greifen dann zu Eisentabletten. Das sollten Sie aber nicht tun, denn zu viel oder das falsche Eisen kann schaden, denn es wirkt prooxidativ. Lassen Sie lieber vorher den Ferritinspiegel im Blut bestimmen, damit Ihnen gezielt die richtigen Eisenpräparate verschrieben werden können. Und glauben Sie nicht, Sie müssten bei Eisenmangel mehr Fleisch, Wurst und Leber (die schon gar nicht!) essen! Neue Forschungen konnten nachweisen, dass pflanzliches Ferritin-Eisen durch einen neu entdeckten Mechanismus von den Darmzellen viel besser aufgenommen werden kann als Eisensalze und völlig unschädlich ist.

Die verminderte Zufuhr von Kalzium, Magnesium und Kalium wird mit einem erhöhten Risiko für Gestose und Frühgeburten in Verbindung gebracht. Besonders der Magnesiummangel ist weit verbreitet. Er soll auch in Verbindung mit einem Schwangerschaftsdiabetes stehen. Deshalb kann Ihnen spätestens in der zweiten Schwangerschaftshälfte die regelmäßige Einnahme von Tabletten oder Pulver mit einem organischen Magnesium gut tun.

3. Wie gehe ich jetzt am besten vor?

  • Im Netzwerk Frauengesundheit können sie ausführlich die Einzelheiten zu den oben beschriebenen Punkten nachlesen: http://www.netzwerk-frauengesundheit.com
  • In einem weiteren Artikel bekommen Sie einen auf den neusten Studien basierten Überblick, wie Sie durch Ihr gesamtes Verhalten in der Schwangerschaft erreichen können, dass Sie ein gesundes, ausgeglichenes und immun-starkes Baby bekommen
  •  Und dann gibt es ein fabelhaftes Vorsorgeprogramm, an dem Sie teilnehmen können, das Ihnen individuelle Hilfe für die gesamte Schwangerschaft anbietet: BabyCare.  Es wurde von Frauenärzten und Universitätskliniken entwickelt und kann online mit Ihnen kommunizieren. BabyCare wird auch von der Schwenninger Krankenkasse angeboten.

 Mit diesem gesammelten Wissen suchen Sie dann Ihre Frauenärztin auf und besprechen alles, was ihnen auf dem Herzen liegt.

Viel Glück und Freude für Ihre Schwangerschaft!

Buchtipp-Das-Frauen-Gesundheitsbuch

Buchtipp-Das-Frauen-Gesundheitsbuch

Die Schwenninger Krankenkasse bietet werdenden Müttern erstklassige Leistungen rund um Schwangerschaft, Geburt und Baby. Jetzt anrufen und beraten lassen. 0800 0104501 (kostenfrei für Mobilfunk/Festnetz). Täglich von Montag bis Freitag von 08:00 – 18:00 Uhr.

One Response

  1. Petra Meersteiner sagt:

    Liebes Schwenninger Team, ich lese ihren Blog in regelmäßigen Abständen. Vielen Dank für die zahlreichen informativen Artikel und Beiträge. Weiter so. Gerne weitere Artikel mit ähnlicher Tiefe. Ich habe diese Website schon meinen Freundinnen empfohlen. Beste Grüße Petra Meersteiner

Leave a Reply

* Pflichtfelder