Kinder und Medien: Wenn schon Babys nach dem Smartphone greifen

Erschreckende Normalität in beinahe jeder Familie: Während des Stillens mit dem Handy im Internet surfen, beim Kinderwagen schieben Textnachrichten beantworten und neben dem auf der Decke strampelnden Baby telefonieren. Und das Resultat?

Baby Anna ist erst vier Monate alt, doch einen Gegenstand kennt sie ganz genau: Das Smartphone. Sie greift danach, will damit spielen und als sie ein paar Monate später krabbeln lernt, ist das Handy ihr liebstes Ziel. Mama hat es doch schließlich auch ständig in den Händen gehalten. Babys ahmen nach was sie sehen. Das war Annas Mama nicht bewusst und sie bereut ihr Verhalten. Denn, dass Babys oder Kleinkinder schon mit Handys spielen, findet sie gar nicht gut. Doch warum eigentlich? Sind Apps für Kleinkinder tatsächlich schädlich?

93 Prozent der bis zu vier Jahre alten Kinder spielen regelmäßig mit ihren Apps auf dem Smartphone oder Tablet. Das ergab eine Befragung von 370 amerikanischen Eltern im Jahr 2014. Hierzulande sind es etwas weniger. Aber immerhin jedes dritte Vorschulkind unterhält sich, einer Studie des Deutschen Jugendinstituts zufolge, mithilfe von Apps. Schon Zweijährige sind meist in der Lage, selbständig mit einem Tablet-PC umzugehen. Das ergab eine Studie von Prof. Stefan Aufenanger.

Das Pro & Contra der Kleinkind-Apps

Die Meinungen der Experten über das für und wider gehen stark auseinander. Das Boston Medical Center beispielsweise warnt davor, Babys oder Kleinkinder mit dem Smartphone zu beruhigen. Die soziale und emotionale Entwicklung der Kinder könne Schaden nehmen, wenn Eltern das Smartphone zur Ablenkung benutzen. Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist der Ansicht, dass Handys oder Tablets nicht in die Hände von Kindern unter drei Jahren gehören.

Auf der anderen Seite wird häufig die Meinung vertreten, dass Kinder mit Apps besser lernen könnten, als mit Büchern. So häufen sich gerade die Lern- und Spiele-Apps für Vorschüler im App-Store. Kleine Kinder würden mit deren Hilfe spielerisch erfahren, dass man mit Medien etwas schaffen, bauen oder gestalten kann, heißt es. Letztendlich liegt die Verantwortung jedoch in den Händen der Eltern. Mama und Papa müssen entscheiden, ob ihr Kind das Smartphone in die Hand bekommt oder nicht.

Unterhaltung via Bildschirm allgemein

Gleiches gilt übrigens auch für das Fernsehen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung empfiehlt, Babys und Kleinkinder vom Bildschirm fern zu halten. Sie bräuchten kein Fernsehen, da sie noch gar nicht in der Lage seien, wirklich etwas damit anzufangen. Außerdem wird auf Studien hingewiesen, die besagen, dass Fernsehen das Sprechen lernen hemme, die Kinder anschließend schlecht schlafen würden und die Beziehung zwischen Eltern und Kind dadurch Störungen ausgesetzt sei.

Werden die Knirpse älter, sind feste Regeln ratsam. Die Fernsehzeiten, der Umgang mit dem Internet und Regeln in Bezug auf das Smartphone und soziale Netzwerke sollten am besten zusammen mit den Kindern besprochen und entschieden werden. Dann ist nicht nur die Chance größer, dass sich daran gehalten wird, sondern auch die Gründe können so diskutiert und der verantwortungsvolle Umgang mit den jeweiligen Medien ganz offen besprochen werden. Kindern irgendwelche Regeln aufzuzwingen geht meistens gründlich in die Hose. Sind die Kids aber in der Lage die Gründe dafür zu verstehen, ist das der erste wichtige Grundstein tatsächliche Medienkompetenz zu bilden.

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