Schwangerschaftsverlauf beobachten

In den letzten 50 Jahren wurde mehr über die Schwangerschaft geforscht und herausgefunden als jemals zuvor. Bildgebende Untersuchungen haben Einblicke in den Bauch gegeben und die Entwicklung von Ungeborenen gezeigt. Schwangere Frauen haben heute viele Möglichkeiten, sich über ihr Baby zu informieren. Doch nützt das oder werden Schwangerschaften hierdurch mehr und mehr zum medizinischen Ereignis, statt zum Wunder des Lebens?

Infos aus dem Netz

Kaum das der Schwangerschaftstest positiv anzeigt, geht bei Paaren heute das googeln nach Informationen los. „In welcher Schwangerschaftswoche bin ich?“ oder „Wann ist der Geburtstermin?“ sind zunächst die vordringlichsten Fragen. Ein online Schwangerschaftsrechner hilft meist, diese zu beantworten und die SSW (Schwangerschaftswoche) auszurechnen. Früher war hierfür meist der Gang zum Frauenarzt nötig, der dann anhand einer Drehscheibe die aktuelle Woche und den voraussichtlichen Entbindungstermin feststellte.

Untersuchungen beim Frauenarzt

Der Termin beim Frauenarzt zu Beginn einer Schwangerschaft ist fast immer auch mit einer Ultraschalluntersuchung verbunden. Im Idealfall sieht man dort bereits das kleine Herzchen schlagen. Häufig aber ist noch nichts zu sehen, oder nur eine Fruchthülle erkennbar – das verunsichert. Hormonwerte sollen dann auf altbewährte Weise den Nachweis einer intakten Schwangerschaft erbringen, die Frauen werden auf einen Termin in der folgenden Woche vertröstet und verbringen dann Tage der Sorge und Angst um das Baby. In den meisten Fällen stellt sich dann nach einer Woche heraus, dass alles in Ordnung ist, und die Schwangerschaft nur noch nicht so weit vorangeschritten war wie angenommen.

An diesem Beispiel wird bereits deutlich, dass die modernen Untersuchungen nicht nur ein Segen für schwangere Frauen sind, sondern auch eine Belastung darstellen können.

Im weiteren Verlauf können dann z.B. mit Nackenfaltenmessungen Auffälligkeiten in der Entwicklung des Ungeborenen festgestellt werden. Auch hier kommt es häufig zu Diagnosen, die werdenden Eltern Sorgen bereiten und sich später zum Großteil als unbegründet erweisen. Oft geht es nur um eine erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Fehlentwicklung.

Erfahrungsberichte von Schwangeren

Aber auch andere Quellen können die Schwangere in ihrem emotionalen Wohlbefinden erheblich stören. So gibt es im Internet zahlreiche Blogs und Video-Blogs, auf denen Schwangere von ihren Erfahrungen berichten. Vergleichen Frauen dann diese Informationen mit der eigenen Schwangerschaft, werden Abweichungen oft mit Sorge betrachtet. Z.B. Fragen sie sich, warum sie in der 16. SSW noch keine Tritte gespürt haben oder ob mit ihrer Schwangerschaft etwas nicht stimmt, weil sie keine Übelkeit verspüren. Es fehlt hier oft der Hinweise, dass jede Schwangerschaft anders verläuft.

Vorteile für Schwangere und Kind

Auf der anderen Seite sind die Möglichkeiten, sich über die eigene Schwangerschaft zu informieren oft hilfreich. So wird im Ultraschall heute frühzeitig erkannt, ob es sich z.B. um eine Mehrlings-Schwangerschaft handelt. Störungen wie „zu wenig Fruchtwasser“ werden erkannt und können behandelt werden. Fehlbildungen werden festgestellt und können somit ausschlaggebend für einen lebensrettenden Kaiserschnitt oder eine sofortige Therapie nach der Geburt sein.

Frauen, die zuvor eine Fehlgeburt hatten, können sich mittels engmaschigen Ultraschalluntersuchungen vergewissern, dass mit ihrem Baby alles in Ordnung ist. Und wenn Paare sich vorab über das Geschlecht des Kindes informieren wollen, so ist dies im Verlauf der späteren Schwangerschaftswochen meist möglich. Die Eltern können sich dann auf ein Mädchen bzw. einen Jungen vorbereiten – dies hilft auch, die Namenssuche etwas einzugrenzen!

Dank zahlreicher Untersuchungen und Forschungen wurden in den letzten Jahrzehnten auch viele Zusammenhänge rund um die Schwangerschaft besser verstanden. Risikofaktoren und Anzeichen für Fehlentwicklungen werden heute besser verstanden als je zuvor, was nicht zuletzt positive Auswirkungen auf die Anzahl der Todesfälle im Kindesbett hat.

Verfolgen des Schwangerschaftsverlaufs

Das Verfolgen der Schwangerschaft Woche für Woche in einem Schwangerschaftskalender kann Frauen bezüglich ihrer Symptome beruhigen und sie über wichtige Verhaltensmaßnahmen zum Schutz des Babys informieren. Videos mit Animationen zum Baby lassen Paare besser verstehen, wie sich ihr Ungeborenes in der aktuellen Schwangerschaftswoche entwickelt, dies kann auch hilfreich für das Bonding bereits vor der Geburt sein.

Fazit

Auch wenn die zunehmend medizinische Ausrichtung der Untersuchungen während der Schwangerschaft oft zu einer psychischen Belastung führt, so sind doch die meisten Paare bereit, dies in Kauf zu nehmen, da die Vorteile überwiegen. Das Bedürfnis nach Sicherheit für die Mutter und das werdende Leben wiegen für die meisten Eltern schwerer als der Wunsch nach einem Wunder. Oft sind sie sogar bereit aus eigener Tasche zusätzliche Untersuchungen zu bezahlen, und sei es nur um ein schönes Bild oder Video des Ultraschalls als Erinnerung zu erhalten.

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